Ich weiss es nicht, jedenfalls ist ein Kapital meines Lebens beendet.
In der Woche vor Weihnachten ist er endlich ausgezogen. Es war für mich relativ emotionslos. Auch wenn ich am Tag seines Auszuges selbst nach der Arbeit zum Friseur bin, meine eh schon kurzen Haare noch kürzer schneiden liess, der Friseur juchzte vor Freude als ich ihm sagte “Sie haben freie Hand” und wirbelte los,
Wie ich nach Hause kam, nur kurzer Blick in “sein” Zimmer, ob er nun auch wirklich weg ist.
Das war vor 2 1/2 Monaten.
Sein Zimmer bieb 2 Monate so, wie er es verlassen hatte.
Dann liess ich es leerräumen, inkl. dem großen Keller mit meinen alten Küchenschränken, inkl. der Hälfte des Lebenszimmers (öhm Wohnzimmer).
Vor allem als der alte schwarze Schrank, der das große Lebenszimmer teilte, entfernt war, wich von mir ein Beklemmung. Jetzt konnte ich mir endlich wieder vorstellem, wie dieses Zimmer wirken kann. Alte Holzdielen, hohe Wände, eine Seite gelb gewischt-gestrichen, weisse Möbel, ein weißer Holzschreibtisch vor dem Fenster, weg mit dem 2. Holztisch ins “neue Zimmer”….. Luft, freie Sicht, keine Begrenzung mehr für Augen und Seele und Herz, atmen…
Am gleichen Tag mietete ich mir über Stadtmobil ein Auto und besorgte Farbe, Pinsel, und noch mehr Malerzeugs.
Zwei Tage später begann die Pinslerei und schon nach einer Stunde bekam ich einen Heulkrampf. Der Deckenputz löste sich teilweise und ich wußte nicht weiter. Da Samstag nachmittag war und die Baumärkte schon geschlossen hatte, googelte ich erst einmal.
Danach strich ich die Wände weiter, aber eher lustlos.
Am Montag hatte ich noch einen Tag Urlaub, fuhr in den Baumarkt und holte mir *hüstel* fachmännischen Rat und das Zeugs für teilweises-Decken-verputzen sowie eine Bauleuchte, damit ich auch abends malern kann.
Doch hatte ich in den folgenden Tagen nach meiner Arbeit keinen Kopf mehr für den Pinsel schwingen.
Also vollendete ich mein Werk vergangenes Wochenende. Ich verputzte die Löcher in der Decke zu Ende, pinselte an den Wänden rum und am Sonntag stürzte ich mich nochmals mit der Malerrolle auf die Decke und sah mich meinem Ziel immer näher kommen.
In den Tagen kam mir immer wieder der Gedanke: allmählich entwickelt es sich weg von “seinem Zimmer” zu meinem Eßzimmer, Gästezimmer, Was-auch-immer-Zimmer.
Ein kleines Stück Deckenputz löste sich wieder, doch das war mir jetzt egal. Ich war stolz auf mich, dass ich wieder soviel Energie für alles entwickeln konnte, dass mich dieser Schönheitsfleck an der zuvor vergilbten Decke wahrlich nicht stört. Was ist schon ein Stück fehlender Deckenputz… nicht einmal in der Größe einer Zigarettemschachtel?
Zimmer ist geputzt, fast vollständig eingerichtet. Besuch kann kommem
Die neuen Möbel fürs Lebezimmer sind auch auf dem Weg, das große Bigsofa und der Ohrensessel verzögern sich noch paar Wochen, aber egal. Dieses Wochenende werde ich nun auch meinen Schreibtisch (ein alter weißer Küchentisch mit Schublade) Richtung Fenster stellem, dem PC umstöpseln, umstellem etc. etc. und mir freie Sicht aus dem Fenster gönnen.
Er ist so gut wie aus meinem Leben verschwunden. Paar Dinge werde uns noch zwingen, Kontakt zueianander zu halten. Ob wir jemals wieder den Weg zu Freunden finden, weiss ich nicht.
Wichtig ist aber für mich: es nie mehr zuzulassen, dass mir der freie Blick genommen wird.