Ich habe es tatsächlich geschafft, zum ersten Mal in 6 Jahren am Fasnachtsdienstag mittags zuhause sein zu können.
In den ersten drei Jahren sass ich im Büro um von meinen Minusstunden runter zu kommen, in den Jahren danach weil es für mich wichtiger war bei Kollegen abzugreifen und mir, die bis vor einem Jahr stundenmässig fast immer eine Null-Landung hatte, ein Stundenpolster anzuschaffen.
Ich bin gut, denn innerhalb von zwei Tagen konnte ich 5 Stunden abbauen. Zwar bin ich immer noch im dreistelligen Bereich und das wird sich auch nicht ändern, aber ich zeige immerhin guten Willen. Ich freue mich richtig auf nächste Woche.
Mein PC defragmentiert seit Stunden, seufz. Ich sitze jetzt am Notebook und kämpfe gegen die „ergonomische Tastatur“ an. Ich muss auf alle Fälle heute nochmals meine Musikdateien sichern, denn die haben sich in den drei Wochen Krankheit stark vermehrt. Nicht dass es mir so ergeht, wie vor drei Jahren: PC hinüber und niemand zur Hand, der die intakte Festplatte an den neuen PC hängt. Tja, seit 2 Jahren hat mein Kerl nun die alte Festplatte und ich frage regelmäßig vorsichtig an, bis wann er mir die Daten überspielt….
Heute verblüffte mich Frau Tr., eine meiner schwäbischen Muttis. Sie stand in ihrer ganzen Kürze vor mir mit Tränen in den Augen. Sie weiß nicht, wie es weitergeht, wenn ich nicht mehr im gleichen Büro sitze. Sie hätte durch mich viele ihrer Ängste im fachlichen Bereich verloren und sie würde immer wieder bei mir nachsehen und *selbst sprachlos* auch viele Dinge in puncto Arbeitsplatzorganisation übernehmen.
Ach, Frau Tr., Sie Urschwäbin… als dreifache Mutter und Hausfrau… Ihnen kann ich doch in puncto Organisation wirklich nichts vormachen. Kinder, Haushalt, Mann, Familie und Job zu organisieren… davor ziehe ich den Hut. Ich könnte es nämlich nicht.
Aber ich erlebte diese Situation in den vergangenen 12 Monaten verstärkt. Ich war (bzw. bin noch) von vielen teilzeitarbeitenden Müttern umgeben. Auf der einen Seite müssen sie sich um Kindergartenprobleme, Kinderkrankheiten kümmern und auf der anderen Seite bearbeiten sie eine Finanzierung in Millionenhöhe. Und nebenbei werden sie von den anderen Kollegen als Mutti belächelt. Nein, auch wenn ich zwei Kolleginnen liebevoll als meine „schwäbischen Muttis“ bezeichne, ziehe ich den Hut vor diesen Frauen. Tage- bzw. stundenweise im Büro müssen sie die regelmäßigen Neuerungen in der Technik und den Prozessbeschreibungen in kürzerer Zeit erfassen als die Ganztagskollegen und nebenbei noch die Familie managen. Und wehe, da sind noch kranke Großeltern oder Tanten vorhanden… Nein, belächeln kann ich meine Kolleginnen schon lange nicht mehr.
Gerade gestern, als Frau Sch. mir erzählte, dass ihre kleine Tochter bereits an Krücken laufen muss und sie mittlerweile nach jedem Strohhalm greifen… und ich soll diese Frau belächeln, die trotz allem noch den Büroalltag bewältigt? Nein!