Ich wollte nie Karriere machen, für mich war mein Beruf Zweck zum Geldverdienen – mehr nicht. Dass es in den letzten 5 Jahren einen Push nach oben gab, war von mir nicht gezielt angesteuert. Ich erinnere mich noch, wie ich das Angebot zur Stellvertretung Gruppenleitung sogar anfangs ablehnte.
Meine Bank gibt es nicht mehr, nur noch wenige Monate ist sie am Mark als „Marke“ präsent, dann wird sie verschwinden. Jetzt ist es bekannt, was schon lange befürchtet und auch zwischen GBR und Vorstand verhandelt wurde: unser Standort wird dicht gemacht, nicht in 3 Jahren, sondern in wenigen Monaten. Aus die Maus. Weg- und ausradiert.
Man sprach vor ein paar Wochen auf einer Mitarbeiterpräsentation von einer Win-Win-Situation für alle Beteiligten. Eine Bank sucht händeringend qualifizierte Kreditleute, eine andere Bank will händeringend Personal abbauen und Menschen haben Existenzängste. Zeit für Geschäfte. Zeit für Rechnen, für Prioritäten setzen.
50 % der eventuellen Abfindung, 2 Tarifgruppen runter, weniger anspruchsvolle Aufgaben und vor allem…. man bekommt weniger zugetraut als anderen Kollegen, die man zum Teil in den vergangenen Monaten geführt und geleitet hat. Zeit, den Stolz zu schlucken – Zeit, an die Existenz zu denken.
Hoffnung, dass der nun doch schneller abgeschlossene Interessenausgleich vielleicht doch die 100 %ige Abfindung bedeuten könnte… wurde mir doch noch kein Aufhebungsvertrag vorgelegt… obwohl ich schon sehr früh mitteilte, dass ich das Angebot annehmen werde und zum 1. August 2009 nach 27 Jahren die Bank verlassen werde.
Ich kann es noch nicht fassen. Mir ist seit Tagen komisch zumute. Es fällt mir schwer, mich zu orientieren, mich zu finden. Und: Ich wollte, ich wäre ein Jahr älter.
Drei Jahre habe ich Vollgas gegeben. Das war für mich der ausschlaggebende Punkt das Angebot trotz allen Widrigkeiten anzunehmen: Drei Jahre war ich auf der Überholspur, drei Jahre gab es Kolleginnen, die hinter mir her gejagt sind. Jetzt sind sie vorne, jetzt sollen andere die Verfolgung aufnehmen. Denn es ist nicht mein Spiel.
Ich wollte nie Karriere machen, für mich war mein Beruf Zweck zum Geldverdienen – mehr nicht… und wenn es sich wiederholen sollte, bin ich ausgeruht.